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News

24.12.2010
Eine schöne Bescherung für die Burker
Die Burker Fußballfrauen zeigen den Herren, wie es geht: Drei Mannschaften des 1. FC Burk sind Herbstmeister. Die Kreisliga-Damen sowie die U17- und U15-Mädchen-Mannschaften haben einen beispiellose Erfolgsserie hingelegt.
Der längst etablierte Weiberfasching beim 1. FC Burk, an dem die Frauen die närrischen Hosen anhaben, ist einer der Höhepunkte im gesellschaftlichen Leben der Großen Kreisstadt. Nun scheint sich die feminine Vorherrschaft beim Verein aus dem Forchheimer Westen auch auf andere Beinkleider – auf kurze Sporthosen – auszuweiten.
Es ist Donnerstag-Abend im Vereinsheim des 1. FC Burk: An mehreren Tischen sitzen Gäste beim Feierabend-Bierchen, meist Männer. Ein mit zehn Personen voll besetzter Tisch sticht aus der Kulisse heraus. In der illustren Runde, die überwiegend aus Frauen und Mädchen besteht, wird gelacht und geschäkert. Sie haben auch Grund dazu: Im Gegensatz zu den Herren der Schöpfung, die momentan jenseits ihrer gesteckten Ziele in der Kreisliga dümpeln, blicken die weiblichen Kicker des Stadtteil-Vereins derzeit allesamt von der Tabellenspitze auf ihre Konkurrentinnen herab.
Der Spielleiter des Burker Frauenfußballs Edmund Kainer schwärmt von seinen Mädels: "Ob wir das noch jemals wieder erleben? Alle unsere Frauenteams wurden Herbstmeister: Die U15 und die U17 bei den Mädchen ebenso wie unsere Kreisliga-Frauen."
Wie kommt ein als Allrounder bekannt gewordener Vereinsfunktionär zum Frauenfußball? "Na, durch eine Frau – und zwar durch meine eigene. Sie riet mir, ich sollte versuchen, die Kräfte bei den Damen wieder zu bündeln. In den Wintermonaten hätte ich die nötige Zeit dazu. Und das war bereits vor zehn Wintern."
Seitdem ist der Zweite Vorsitzende des 1. FC Burk nicht nur Spielleiter bei den Fußballerinnen, sondern mittlerweile in Personalunion auch Trainer der U17-Mädels und der Frauenmannschaft. Der 52-jährige Ehrenamtliche, der noch zahlreiche andere Funktionen im Verein ausführt, setzt noch einen ironischen Erklärungsversuch drauf: "Den Mädels habe ich damals meine eigene AH-Karriere geopfert."
Für Kainer ist der Erfolg bei den Fußballerinnen etwas überraschend: "Sie stehen derzeit eigentlich im Umbruch. Wegen der namhaften Abgänge hatte damit echt niemand gerechnet. Aber die Neuzugänge schlugen toll ein. Nun ernten wir langsam die Früchte unserer kontinuierlichen und langjährigen Aufbauarbeit. Wie fast überall, hat auch unser Erfolg viele Väter und Mütter."
Natürlich Meister
Geht es nach den Spielführerinnen seiner drei Halbzeitmeister, ist die Sache schon jetzt klar. Wie aus der Pistole geschossen kommt von Selina Pelch, Kapitänin der U17, die Antwort: "Natürlich werden wir am Ende auch vorne stehen. Klar!" Die Mittelfeldspielerin erzielte bereits 19 Tore. Zuvor spielte sie bis zur U13 in Weilersbach und setzte sich gegen ihre Mutter durch, von deren einstigen Bedenken die 16-Jährige erzählt: "Mama meinte, vom Fußball'n bekommt man doch O-Beine." Bei Personalnot hilft Selina auch schon im Frauenteam aus – ebenso wie ihre gleichaltrige U17-Kameradin Anna Mauthofer: Diese kickte zunächst "drei bis vier Jahre bei den Buben mit" und gibt genauso selbstbewusst das Ziel vor: "Wir werden Meister. Punkt!"
Über so viel jugendliche Zuversicht kann Betreuerin Lisa Welker nur schmunzeln. Sie hat seit acht Jahren das Kommando und wurde schon 2005 mit den U17-Mädels Meister: "Unsere Girls haben in den letzten Jahren immer oben mitgespielt und es eigentlich mal wieder verdient." Als 14-Jährige begann sie selbst beim 1. FC Burk zu kicken und stieg danach in die Funktionärsebene um. Die 26-Jährige glaubt auch den Grund für den problemlos praktizierten Austausch zwischen Spielerinnen der verschiedenen Mannschaften zu kennen: "Zwischen den Altersgruppen innerhalb der Teams herrscht große Harmonie. Es macht Spaß, ein Teil dieses Ganzen zu sein." Nicole Reske, Spielführerin im Frauen-Kreisligateam, kam einst durch den elterlichen Umzug nach Burk.
Die 27-Jährige wuchs in Hausen auf, wo sie im Alter von sieben Jahren zunächst bei den Jungen mitspielte. Danach kickte sie zwischen zwölf und 15 Jahren im Mädchenteam der SpVgg Reuth und Freundin Nina Kainer holte sie nach Burk, wo sie mittlerweile im achten Spieljahr kickt. Die bisher sechsfache Torschützin hat eine eigenwillige Erklärung zu ihrer Fußballpassion parat: "Ich hatte mir als Schülerin zum Entsetzen meiner Mama die Flause in den Kopf gesetzt, mit dem Rauchen anzufangen. Sie stellte mich weise, keinesfalls beides zu erlauben, vor die Wahl: Fußball oder Rauchen? Seitdem kicke ich."
Nicole brachte auch ihren Chef Günter Svoboda nach Burk zum Frauenfußball, der seit Jahren zum Betreuerstab gehört: "Ihm habe ich auf Arbeit ständig in den Ohren gelegen, wie toll wir gespielt hatten, bis er ein einziges Mal zuschaute. Seitdem ist er mit dabei." Die Spielführerin macht für die beiden bisher einzigen Pleiten augenzwinkernd das Fehlen von Trainer Edmund Kainer ("Da war ich im Urlaub") verantwortlich: "Der Edi ist am Spielfeldrand schon sehr wichtig für uns. Wenn er reinbrüllt, dann hat das meistens seinen Grund. Und wenn er ruhig ist, dann stimmt eh irgendetwas nicht."
Einzig die U15 wird nicht von Kainer trainiert. Dafür brachte er Astrid Beetz wieder dazu, als Betreuerin der jüngsten Burker Mädels, die zwischen elf und 15 Jahren alt sind, mit einzusteigen. Sie coacht nun mit dem neuen Trainer Dominik Franek und verteilt den Erfolg bescheiden lächelnd auf mehrere Schultern: "Da sieht man mal, was ein männlicher Trainer ausmachen kann. In diesem Alter sind die Mädels schon manchmal zickig und hören zu Hause auch kaum auf ihre Mütter." Bei diesen Sätzen kann sich ihre Tochter Miriam kaum das Grinsen verkneifen. Sie ist als Torhüterin mit dabei und eiferte frühzeitig ihrem Vater Thomas nach: "Ich habe meinen ganzen Beetz-Clan mit dem Kicker-Bazillus angesteckt." Er komplettiert nicht nur die Burker Fußballer-Familie, sondern koordiniert hauptverantwortlich den Fußball-Spielbetrieb im Verein.
Plötzliche Siegesserie
Astrid Beetz ist besonders auf ihre Libera und Spielführerin Laura Schmidt stolz. "Sie räumt nicht nur hinten alles weg. Auch wenn sie mit nach vorne geht, brennt die Luft", schwärmt die U15-Betreuerin und beschreibt die plötzliche Siegesserie als fast unheimlich: "Im gesamten Kalenderjahr haben wir erst einmal verloren. Im Vorjahr war es genau umgekehrt: Nur ein Sieg und abgeschlagener Letzter mit über hundert Gegentoren."
Kapitänin Laura Schmidt hat eine Erklärung parat und bringt das an der letztjährigen U15-Weihnachtsfeier gefertigte "Heute Sieg"-Banner ins Gespräch: "Es ist schon komisch: Als wir das Banner gemalt haben, wünschten wir uns fürs neue Jahr möglichst viele Siege und wenige Niederlagen. Und irgendwer hat unsere Wünsche erfüllt." Eine schöne Bescherung!
Mit dem "Heute Sieg"-Banner klappt es plötzlich wie von selbst (von links): Frauenspielleiter Edmund Kainer mit Nicole Reske, Spielführerin der Kreisligamannschaft, daneben die U17-Mädchen Anna Mauthofer und Spielführerin Selina Pelch mit Betreuerin Lisa Welker, auf der rechten Seite aus dem U15-Team Spielführerin Laura Schmidt und Torhüterin Miriam Beetz mit ihren Eltern Astrid (U15-Betreuerin) und Thomas (Leiter Spielbetrieb). [Quelle: www.infranken.de]
Mit dem "Heute Sieg"-Banner klappt es plötzlich wie von selbst (von links): Frauenspielleiter Edmund Kainer mit Nicole Reske, Spielführerin der Kreisligamannschaft, daneben die U17-Mädchen Anna Mauthofer und Spielführerin Selina Pelch mit Betreuerin Lisa Welker, auf der rechten Seite aus dem U15-Team Spielführerin Laura Schmidt und Torhüterin Miriam Beetz mit ihren Eltern Astrid (U15-Betreuerin) und Thomas (Leiter Spielbetrieb). [Quelle: www.infranken.de]
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