Forchheim – 29 Jahre und neun Monate war er Vorsitzender des 1. FC Burk. Drei Monate vor dem geordneten Rückzug vom Amt hat Manfred Reges am Mittwoch früh vergangener Woche das Handtuch geworfen. Und niemand kann es so recht verstehen.
Auslöser des spontan erklärten Rücktritts war wohl eine Auseinandersetzung nach einer Sitzung am Dienstag Abend. Im engeren Kreis waren sich vor allem Vereinschef Reges und Fußball-Abteilungsleiter Peter Müller uneins in einigen Sachfragen. Dass Reges deshalb zurückgetreten ist, will Müller nicht in den Kopf. "Wir sind ja eigentlich Freunde und sind uns auch jetzt nicht spinnefeind", betont Müller. Er und Reges hätten sich schon öfter in Sachfragen gestritten, aber das sei in der Vergangenheit stets fruchtbar für den Verein gewesen. Gerade deshalb findet er es sehr schade, dass 30 Jahre Vorstandsarbeit von Reges "so zu Ende gehen".
"Es ist unbegreiflich, wenn man gemeinsam so viele Höhen erlebt hat. Wir haben viel bewegt", sagt Reges’ Stellvertreter Edmund Kainer. Er begleitet den scheidenden Vorsitzenden schon seit 1986 im Vorstand.
Solide und findig
Kainer zählt eine Reihe von Errungenschaften auf; deren größte war wohl der Bau der neuen Sportanlage samt Sportheim im Seetal. Trotz dieses Kraftakts ist der 1. FC Burk heute frei von Bankschulden, Zeichen nicht nur solider Vereinspolitik, sondern auch von Findigkeit. "Wir sind zusammen als Schröder und Stoiber aufgetreten", erinnert sich der zweite Vorsitzende. Der Sportverein ist Ausrichter der Kirchweih samt Weinfest. Der Weiberfasching ist legendär, auch andere Veranstaltungen wie der Auftritt der Aischer Theatergruppe. Und all das hat dem 1. FC Burk nicht nur Renommee verschafft, sondern auch Geld in die Kassen gespült.
"Der Verein ist breit aufgestellt." Daher ist Edmund Kainer überzeugt, dass der plötzliche Abgang von Manfred Reges beim 1. FC Burk "keinen strukturellen Schaden" anrichten wird. Man werde nun im Vorstand kommissarisch weiterarbeiten bis zur Jahreshauptversammlung im ersten Quartal 2010, bei der der Vorstand neu gewählt wird.
Aufstieg gefordert
Offenbar hat Reges für sich selbst die Ansprüche zu hoch gesetzt, als er zum Saisonauftakt angesichts von 35 Spielern auf dem Trainingsplatz den Aufstieg von der Kreisliga in die Bezirksliga gefordert hatte. Jetzt überwintert die erste Mannschaft des 1. FC Burk auf einem "guten fünften Platz", wie Kainer findet, und das zweite Team spielt Kreisklasse. Das sei in Ordnung. "Wir haben als Verein Erfolg, weil wir uns veränderten Bedingungen anpassen", erklärt der Vizechef. Er freut sich, dass die Clubfreunde jetzt zum 1. FC Burk kommen.
Bei allem Erfolg habe der 1. FC Burk jedoch auch menschliche Grundzüge, führt Kainer aus. Daher gehe man mit Menschen und Problemen sorgsam und verantwortlich um. Deshalb bedauere er sehr den Rücktritt von Reges, der "so viele Verdienste um den Verein hat".
Reges will nichts weiter sagen, nur, dass er bei seiner Entscheidung bleibt. Und: "Ich will weder der Mannschaft noch dem Verein schaden."
Ein Nachfolger sei auch schon im Gespräch, wobei Kainer betont, dass weder er selbst noch Peter Müller der Nachfolger sein werden.
Dieter Köchel ("Nordbayerische Nachrichten")